Die Sternwarte 24 January 2020 19:57

In Bayern, Landkreis Ansbach, befindet sich die von Andreas Hauf betriebene Sternwarte mit dem Ziel, der optischen Beobachtung und Fotografie von astronomischen Objekten. Darüber hinaus soll Interessierten das Thema Astronomie nähergebracht werden. Der Bau dauerte 5 Monate und wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Fotografisch soll sich dabei nicht nur auf relativ große, helle Objekte beschränkt werden, sondern - für Amateurastronomen - auch sehr schwer sichtbare Objekte wie Gravitationslinsen (Einsteinringe), Quasare und das Einsteinkreuz. Aktuell verfügt die Sternwarte über zwei Teleskope: für das Sonnensystem und kleinere Objekte ein Celestron EdgeHD 14“ mit 3910 mm Brennweite, und für größere DeepSky-Objekte ein lichtstarker Takahashi Epsilon 130D mit 430 mm Brennweite. Für Besucher öffnet die Sternwarte ein- bis zweimal im Jahr die Türen.

Der „Astronomietag 2020“ findet heuer am 28. März statt, und die Sternwarte öffnet bei schönem Wetter von 19 bis 23 Uhr die Türen. Neben den Plejaden, dem sichelförmigen Mond und anderen Himmelsobjekten kann am frühen Abend der Planet Venus beobachtet werden und Sirius – der hellste Stern am Nachthimmel – ist ebenfalls zu sehen. Bei Interesse an einem Besuch der Sternwarte, einfach eine Nachricht über das Kontaktformular zukommen lassen.


Die Bauphase

Der Bau der 14m² großen Sternwarte begann mit einer detaillierten Planung, dauerte 5 Monate und wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Der Standort befindet sich aufgrund der Lichtverschmutzung der Stadt ein paar Kilometer außerhalb von Ansbach, auf 420m ü. NHN. Die Himmelshelligkeit beträgt nach Bortle-Skala Klasse 4 (SQM-L Wert Ø 20,9 mag/arcsec²). So sind neben Schmalband-, auch Breitbandaufnahmen möglich. Es wurde sich bewusst für eine Rolldachhütte anstelle einer Kuppel entschieden, da sich dadurch Beobachtungsabende mit mehreren Personen unter freiem Himmel besser durchführen lassen. Dafür kann das Rolldach Richtung Osten sehr weit aufgeschoben werden, um die Sicht im geöffneten Zustand nicht zu behindern. Das 2,2 Tonnen schwere Fundament für die sandgefüllte Stahlsäule wurde, um die Übertragung von Vibrationen auf die Teleskope zu vermeiden, von dem Fundament der Hütte getrennt erstellt. Gesteuert wird die Sternwarte über einen Rechner in der Sternwarte selbst, als auch remote über das Internet.


Das Equipment

In der Sternwarte stehen aktuell zwei Optiken zur Verfügung. Als Hauptinstrument ein Celestron EdgeHD 14“ Schmidt-Cassegrain Teleskop mit 3910 mm Brennweite (f/11), das für die Planetenfotografie und kleine DeepSky-Objekte verwendet wird. Für die größeren DeepSky-Objekte wird ein hyperbolischer Flat-Field Astrograph (Takahashi Epsilon 130D) mit 430 mm Brennweite (f/3.3) benutzt. Beide sind auf einer 10 Micron GM 2000 HPS II Montierung befestigt, um eine präzise Nachführung zu gewährleisten.

Für die DeepSky Fotografie wird eine gekühlte ZWO ASI1600MMC Monochromkamera mit großem 4/3" Sensor und extrem niedrigem Ausleserauschen (1,2 e!) verwendet. Zusammen mit einem Filterrad werden LRGB Farb- oder Schmalbandaufnahmen (Hα, SII, OIII) erstellt.

Sonne, Mond und Planeten werden mit einer Skyris Aptina 132C Farbkamera und einer ZWO ASI290MM Monochromkamera mit div. Filtern aufgenommen.

Mit Hilfe der Schmalbandfilter (Hα, SII, OIII) und einer Monochromkamera können selbst schwache Nebelgebiete in lichtverschmutzter Umgebung fotografisch aufgenommen werden. Um diese in der Hubble-Palette darzustellen, wird OIII der blaue, Hα der grüne und SII der rote Farbkanal zugewiesen. Für die Planetenfotografie werden RGB-Filter für die Farbe verwendet und für die Luminanz anstelle des L-Filters ein IR-Pass-Filter, um die Detailschärfe zu verbessern.

Filterübersicht

(L) Luminanz: Der UV/IR-Cut Filter dient zum Fokussieren und zur Aufnahme des Luminanzbildes. Blockt UV unterhalb 400 nm und IR oberhalb 680 nm. Unerlässlicher Filter bei der Verwendung von Farbkameras. Diese sind meist stark rotempfindlich, das ohne Filter zu einer unscharfen Abbildung führt.

(R) Rot: Bandpassfilter 580 – 690 nm

(G) Grün: Bandpassfilter 495 – 570 nm

(B) Blau: Bandpassfilter 385 – 510 nm

(C) Clear: Der Klarglasfilter dient nur zum Fokussieren

(Hα) H-alpha: Hellste Spektrallinie des Wasserstoffs (Balmer-Serie) bei 656 nm (rot)

(SII) Sulfur II: Spektrallinie des einfach ionisierten Schwefels bei 672 nm (dunkelrot)

(OIII) Oxygen III: Spektrallinien des zweifach ionisierten Sauerstoffs bei 496 nm und 501 nm (blau-grün)

UV-Pass-Filter (UV350): Bandpassfilter mit einer Zentralwellenlänge (ZWL) von 350 nm und einer Transmission von 80% (FWHM Bandbreite 60 nm). Ermöglicht bei einer UV empfindlichen Kamera die Wolkenstrukturen der Venusatmosphäre fotografisch festzuhalten.

Gelb Filter (≅W12): Gelber Langpass-Filter, der bei 495 nm öffnet. Kann für den Nachweis von Exoplaneten verwendet werden. Blockt den blauen Anteil des Lichts vollständig, um die atmosphärischen Auswirkungen auf die Messung zu verringern.

Rot Filter RG610 (≅W25): Roter Langpass-Filter, der bei 610 nm öffnet. Wird verwendet, um die atmosphärischen Details von Uranus und Neptun bei der Aufnahme hervorzuheben.

IR-Pass Filter (IR685): Der IR-Passfilter, der bei 685 nm im tiefroten Bereich des Lichtspektrums öffnet, findet Verwendung zur Minderung von atmosphärischen Seeing-Effekten bei der Erstellung von Luminanzaufnahmen vor allem beim Lucky Imaging (Sonne, Mond und Planeten). Das Seeing entsteht durch Turbulenzen in den Luftschichten. Dieser Effekt ist umso größer, je kürzer die beobachtete Wellenlänge ist. Folglich ist die langwellige IR-Strahlung nicht so stark betroffen, und die Aufnahmen werden dadurch schärfer und detailreicher. Ferner kann dieser Filter auch für Experimente bei der DeepSky Fotografie genutzt werden.

Methan-Filter (CH4): Bandpassfilter mit einer Zentralwellenlänge (ZWL) von 889 nm und einer Transmission von ≈80% (FWHM Bandbreite 8 nm). Die Gasplaneten Jupiter und Saturn besitzen einen vergleichsweisen hohen Anteil von Methan (CH4) in ihrer Atmosphäre. Dadurch reflektieren sie im Spektrum auf der CH4-Linie so gut wie kein Licht und es können neue Details durch den Filter sichtbar werden. Zusätzlich kann der CH4-Filter für experimentelle Aufnahmen von Venus und Merkur verwendet werden, um Seeing-Effekte zu minimieren.

Andreas Hauf
91522 Ansbach, Germany